Haarspalter- der Fockenblock

"Baut sie wieder auf!" Zu Gast auf der Eresburg, Obermarsberg/Sauerland

Anfang Mai 2018 war es schließlich soweit: Ich las auf der Stätte der alten Eresburg, die als heiß umkämpfte Grenzfestung eine wichtige Rolle im Roman (Arnulf I und auch II) spielt. Die Siedlung auf dem Burgberg heißt heute Obermarsberg, ein Ortsteil vom weiter unten liegenden Marsberg (Hochsauerlandkreis). Eine schöne Veranstaltung, gefühlt die Hälfte des Dorfes war da wohl gekommen.  Tatsächlich weilte auf der Eresburg immer wieder Karl der Große, wenn die Festung nicht gerade wieder von den Sachsen zurückerobert wurde: Die militärstrategische Lage erinnert an die heutigen Golanhöhen im israelischen Grenzgebiet. Wer sie hat, beherrscht das Grenzland. Was spricht eigentlich dagegen, diese Burg wieder aufzubauen, zumindest in Teilen? Es wäre dann wohl die einzige Holz-Erde-Stein-Festung in Deutschland, denn es war keine Steinburg. Und Marsberg könnte sich neu erfinden, als Schaufenster ins frühe Mittelalter: Warum nicht einmal im Jahr Ritterfestspiele, vielleicht auch mit einem entsprechenden Theaterstück um Karl den Großen und den Sachsenherzog Widukind? Ich würde solch ein Stück schreiben und spenden -  daran würde es nicht scheitern! Geschichte darf, ja sollte auch Spaß machen, sollte nicht nur für Reue-Rituale taugen. Aufgepasst: Wenn man "Eresburg" googelt, stößt man etwa auf 33.000 Einträge. Googelt man hingegen "Fort Fun", einen Freizeitpark in der selben Region, findet man mehr als zehnmal soviele Einträge. In diesem Sinne: Lieber (Ober-)Marsberger, da geht noch was!

 

Grabschen streng verboten: Me-Too im Mittelalter...

Roman-Lesungen reichere ich gerne mit Einblicken ins mittelalterliche Leben an. Da fügt es sich gut, dass die altehrwürdige Lex Salica (Gesetze der Rheinfranken) einen kompletten Sühnegeldkatalog darstellt für sämtliche Delikte über und unter der Gürtellinie. Überraschende Erkenntnis: Grabschen war mit drastischen Strafen belegt. Zumindest, wenn das Opfer eine Freie war. Die Frau "an der Brust berühren" wurde mit 45 Schilling gesühnt - die gleiche Summe, die die Verstümmelung der Nase beim Mann kostete! Die Schändung selbst: 62 Schilling - genauso viel wie das Sühnegeld für einen abgehackten Fuß ==> weißgott kein Kavaliersdelikt! Bei einer Hörigen /Unfreien hingegen kostete die Vergewaltigung nur 15 Schilling. Denn das Mittelalter war eine Kastengesellschaft, ein riesiger Graben trennte Freie und Unfreie. Letztere unterlagen Körperstrafen, wenn sie vor Gericht nicht zahlen konnten: von der Auspeitschung (Diebstahldelikte) war es dann nicht weit bis zur Kastration.

Übrigens, Damen waren im Todesfall TEURER als Männer: Die Gerichtsbuße betrug 600 Schilling für eine Freie, gegenüber 200 Schilling für einen freien Mann - wenn die Frau im gebärfähigen Alter war. Dahinter stand die schnöde Erkenntnis, dass die Frau der Engpass bei der Fortpflanzung ist. Und dass im Schnitt zwei der Kinder pro Familie überlebten und heranwuchsen - und ebendie waren im Sühnegeld der Frau mit eingerechnet. Eine nicht mehr fruchtbare Frau "kostete" somit ebenfalls 200 Schilling, genausoviel wie der Mann. Die Menschen dachten biologisch, schließlich ging es auch im Alltag oft genug nur um's Überleben.

 

Unterm Christbaum: Harvey Weinstein zu Zeiten von Marlene Dietrich

"Es liegt im Wesen der Frau, passiv, rezeptiv, abhängig von männlicher Agression und zu langem Leiden fähig zu sein" - so formulierte Josef von Sternberg, Regisseur und Liebhaber Marlene Dietrichs in Hollywood. Marlene war offensichtlich nicht nur liebesfähig, sondern auch leidensfähig, erfahren wir in der Dietrich-Biographie "Einsame Klasse" von Eva Gesine Baur (2017 bei C.H.Beck). Herrliches Buch mit vielen indiskreten Einblicken in ihr seltsames Privatleben. Uns begegnet eine Art Revue von Film- und Showstars der dreißiger, vierziger, fünfziger, sechziger Jahre, die früher oder später im Bett mit MD landen. Und später verärgert dem jeweiligen Nachfolger Platz machen... Und doch immer wieder die Klage Marlenes über "Einsamkeit" - eine gewisse Melancholie lag über diesem bacchantisch-lustvollen und doch disziplinierten Leben. Extrem unterhaltsam!

November 2017 - "Plan your future in Zimbabwe...

... and make sure you are counted!"

Dieses Lied warb im Radio für eine anstehende Volkszählung. Wir hörten es oft während der Flitterwochen in Zimbabwe, im schönen Jahr 1992. Es war alles dabei: Übernachtungen in Luxushotels (zu wenig!), auf Sandbänken im Sambesi und in schlichten Park-Lodges. Damals war der alte Mugabe schon eine ganze Weile Staatspräsident. Nun haben seine Generäle ihn offenbar aufs Altenteil geschoben - angeblich waren ihre Fründen bedroht. Durch Patrioten wie "Gucci-Grace", die Frau Robert Mugabes, ungefähr 50 Jahre jünger als er. Der Alte kann sich zugute halten, sein Land zu einem der ärmsten Afrikas gemacht zu haben. Die meisten Menschen kommen mit weniger als 900 $ im Jahr aus. Wie mag der Straßenverkehr dort heute aussehen? Das Taxi, das uns damals zum Flughafen brachte, war ein uralter Peugeot. Zusammengehalten von Draht und Isolierband, der Motor sprotzte bei Drehzahlen über 1500 U/Min. Was meine Frau besonders nervös machte: die Türen schlossen nicht richtig. Ein kleines Abenteuer zum Schluss also... Schade irgendwie! Das Land hat großartige Parks, mit (damals) familientauglicher Urlaubs-Infrastruktur (Messer & Gabel wurden bei Hüttenübergabe jeweils abgezählt! :-)) Allein der Hwange-Park ist so groß wie Schleswig-Holstein, dort hat man wirklich Safari-Gefühle: Allein auf weiter Flur... Ob die Chinesen dort urlauben? Sie gehören zu Zimbabwes letzten Freunden. Shoppen dort Rohstoffe und Edelmetalle. Für profane Dinge wie Regierungsführung und Menschenrechte müssen sie sich nicht interessieren. Gut, dass es Chinesen gibt...       

Oktober 17 - Martin L.: Ein sehr DEUTSCHER Revoluzzer

Querdenker, Revoluzzer oder gar: Rocker - nette Etiketten für jeden, der zwei Zentimeter neben dem Mainstream liegt. Luther war all das, und er war noch mehr: Ein Gewissenstäter. Ich sprenge die alte Kirche in die Luft und gründe eine neue - denn ICH KANN NICHT ANDERS! Mögen Religionskriege folgen, die Welt in zwei gerissen werden - mein Gewissen gebietet es! Und ebendies ist wohl urdeutsch: das moralisch  Gebotene in die Tat umsetzen. Koste es was es wolle... Also: Fragt ihr euch manchmal, was "typisch deutsch" ist, dann dies; Merkels "alternativlose" Flüchtlingspolitik ist ein gar nicht so ferner Nachklang davon. Ein moralischer Höhepunkt der Bundesrepublik, wenn auch nicht unbedingt "Politik" im normalen Sinne. Übrigens, auch die Heilslehre des Marxismus können wir grob zu diesem Feld zählen - eine Art Religion ohne Gott. Und gibt es da nicht diese Partei, die nichts weniger als die Welt retten will? Keine Partei ist "deutscher" in ihrem edlen Streben als Die Grünen!

In diesem Sinne, lobet den Herrn! :-)

Harvey Weinstein zu Zeiten von Marlene Dietrich